Sonntag, 22. Juli 2012

Visions of America


 Diesen Blogeintrag beginne ich mal mit Bildern von dem Ort, an dem ich den Hauptteil meiner Zeit verbringe, meiner Arbeitsstätte. Diese Bilder sind aber einfach lange nicht so interessant wie die anderen Bilder, deswegen gibt es auch nur Impressionen von verschiedenen Lunch Breaks ;-)
  
Lunch Break in der Sonne, um den Hals habe ich meine diversen ID Badges, die wir immer tragen müssen.
 
Lab Managerin Xiaoxu und Bio Postdoc Annan


Es gibt viele Möglichkeiten, an sein Mittagessen zu kommen, hier z.B. aus einem Lunch Truck der direkt hinter unserem Gebäude steht.

Manche Dinge haben einfach eigentümliche (und fast ein wenig beängstigende) Farben
 Mittlerweile bin ich den Longwood Toastmasters, einer Lokalgruppe der International Toastmasters, beigetreten. Hier treffen sich alle zwei Wochen Menschen, die Spaß daran haben, Reden zu halten und dies zu üben. Die Treffen sind zweigeteilt: zum einen erhält immer einer die Möglichkeit, eine vorbereitete Rede zu halten, die dann von den anderen beurteilt wird. Der größere Teil ist allerdings der "freie, spontane" Teil: Man kommt nach vorne, zieht eine Karteikarte mit einem Thema und muss (darf) dann 2-4 Minuten reden. Dabei gibt es zusätzliche Aufgaben, zum Beispiel, dass man das "Wort des Tages" möglichst oft einbauen muss. Außerdem sitzen im Publikum Menschen mit verschiedenen "Jobs": einer zählt die äähs und ähms, einer achtet auf die Grammatik und Aussprache, einer auf die Mimik und Gestik, etc... Das hört sich jetzt viel härter an als es ist, denn in erster Linie macht es einfach riesigen Spaß, weil vor allem die Spontan-Reden meistens sehr witzig sind..

Marie Cheyne beim Toastmaster-Meeting. Sie war 2010 Toastmaster-Weltmeister,

Im Sommer ist das Boston Symphony Orchestra in Tanglewood, im Westen von Massachusetts. In der Zeit spielt das Boston Pops Orchestra in der Symphony Hall. Sie spielen eher moderen Stücke. Das Programm in dieser Saison steht unter dem Motto "Visions of America" und ich war im Konzert "City of Champions", einem Konzert zu Ehren der vier wichtigsten Sport-Teams von Boston, die allesamt schon häufiger die jeweiligen Meisterschaften gewinnen konnten: Boston Red Sox (Baseball), Boston Celtics (Basketball), New England Patriots (Football) und Boston Bruins (Eishockey). Es war echt klasse, die Lieder die man sonst auf dem Baseball-Feld singt (vielmehr grölt) nun von einem Streichorchester zu hören, habe mir auch gleich die CD gekauft ;-)


Diese Plakate machen in der ganzen Stadt Werbung für die Konzerte.

Wie bei einem echten Baseball-Spiel gibt es "peanuts and cracker jacks". Das hat die ehrwürdeige Symphony Hall wohl noch nicht gesehen.

Auch drinnen sieht es anders aus als sonst, Lichtanlagen produzieren das Motto der "Visions of America" an die Wände.

Überall die amerikanische Fahne..

Auch die griechischen Statuen, welche sonst den Klängen des Symphony Orchestras lauschen, werden amerikanisiert.

Dementsprechend beginnt das Konzert auch mit dem gemeinsamen Singen des "Star-Spangled Banner", ALLE Konzertbesucher stehen natürlich und die meisten fassen sich an die Brust.

Hinter dem Orchester ist eine riesige Leinwand aufgebaut, die Ausschnitte aus den verschiedenen Sportarten abgestimmt zur gespielten Musik zeigt.







Der Dirigent der Boston Pops, Keith Lockhart, führt durchs Programm.

Der ehemalige Bostoner Football-Profi Andre Tippett, der auch in die Football Hall of Fame aufgenommen wurde, erzählt die Lebensgeschichte eines Footballs, der wegen seiner nicht-runden Form zunächst von den anderen Bällen ausgelacht wird, aber zuletzt sein Bestes gibt, um die Patriots zum Superbowl zu führen. Das Orchester untermalt diese Geschichte klangvoll.

Auf der Parkettebene gibt es sogar Catering bei diesem Event.

Auch die Celtics werden geehrt.

Ebenso die Red Sox und..

..insbesondere der Fenway Park, in dem die Red Sox seit 1912 spielen.

Es werden sowohl alte..

....als auch aktuelle Bilder gezeigt.

Der Höhepunkt als Tenley Albright dirigieren darf. Sie hat 1956 die olympische Goldmedaille im Eiskunstlauf als erste amerikanische Frau gewonnen, danach die Harvard Medical School besucht und bis zu ihrer Pensionierung als Chirurgin gearbeitet. Und ihr größter Wunsch war es, einmal das Boston Pops Orchestra dirigieren zu dürfen.

Mittwoch, 20. Juni 2012

Graduation

Die Zeit vergeht wie im Flug!! Will gar nicht darüber nachdenken, wie weit zurück ich mit dem Blog schon bin.. Vielleicht erlebe ich aber auch einfach zu viel ;- )

Dieses Bild ist aber ganz aktuell, ich fand es einfach zu schön, denn...

...in den USA wollen die Mercedes-Fahrer anscheinend lieber Audi fahren und benennen ihr Auto einfach um..
 Nachdem ja in den ersten Wochen meines Aufenthaltes fast nur die Sonne geschienen hat, gab es mittlerweile auch ein paar Tage, die mehr an Aachen erinnert haben.. Allerdings mit dem Unterschied, dass hier das Wasser nicht richtig gut abfliesst und die Strassen immer in kürzester Zeit in kleine Seen verwandelt. Das ist auch der Grund, warum in Boston ALLE Leute Gummistiefel tragen, wenn es regnet. Durch das Wetter sieht man aber auch, warum es "Wolkenkratzer" heisst, wenn wir in Boston auch nur einige wenige davon haben verglichen mit anderen amerikanischen Städten.

Das John Hancock Building

Der Prudential Tower, von dem aus ich in den ersten Tagen die Bilder "Boston von oben" gemacht habe

Nanu, da fehlt doch was?

An einem Abend treffe ich mich mit Daniela, einer Gastroenterologin aus Aachen, die seit über zwei Jahren in Boston ist. Daher kennt sie auch alle Geheimtipps, was Spitzenrestaurants angeht und wir verabreden uns im Grotto, einem kleinen Italiener in der Nähe des State Houses. Das Essen ist superlecker!! Hierhin werde ich in Zukunft häufiger Gäste mitnehmen!

Das Grotto befindet sich in der Straße hinter dem State House.

Hier gibt es ein schönes Feuerwehr-Denkmal 
Der Staatsadler von Massachusetts im Bostoner Himmel

Nun eines meiner Lieblingsrestaurants - das Grotto

Daniela und ich freuen uns...

...auf das Essen.

Schon in meinem letzten Blogeintrag hatte ein großes Ereignis seine Schatten voraus geworfen: der Graduation Day am 24. Mai. Alle Hochschulen, die zu Harvard gehören (z.B. Harvard Medical School, Harvard Law School, Harvard School of Public Health, Harvard Business School, etc.), haben am gleichen Tag den großen Abschlusstag. Am Vormittag gibt es das Commencement, bei dem Reden gehalten werden und danach die Zeugnisse verteilt werden. Die Studierenden aus der Abschlussklasse tragen schwarze Roben und Hüte, ein kleines gesticktes Emblem darauf verrät, welcher der Hochschulen sie angehören. Zum Schluss werden die Hüte in die Luft geworfen und es darf gefeiert werden. Die einzelnen Schools haben dabei aber ihre jeweils eigenen Feiern, nur am Nachmittag gibt es eine große gemeinsame Veranstaltung für alle Alumnis, zu denen die "Class of 2012" nun ja auch gehört. Ich besuche am Vormittag kurz die Veranstaltung der Harvard Medical School und am Nachmittag mit meiner Tante die Alumni-Veranstaltung auf dem Hauptcampus in Cambridge (auf der anderen Seite des Charles River).



Der Festsaal der Harvard School of Public Health

Hier ist anscheinend auch ein Deutscher unter den Absolventen :-)

 
Für den Anlass schmückt sich die Uni in den schönsten Farben.

Zusätzlich zur immer gehissten amerikanischen Fahne weht nun auch die von Harvard.

Graduation Day ist immer ein willkommener Anlass für ein Wiedersehen.

Freude überall

Und Fotos für das Familienalbum ;-)

In Cambridge gibt es den Harvard Coop, ein Buchladen, in dem Harvard-Angehörige deutliche Rabatte bekommen. Diesen besuche ich auf dem Weg zur Alumni-Veranstaltung.

Die Alumni Veranstaltung beginnt mit der "Parade", dem Einmarsch der Würdenträger und besonderen Alumni. Dazu gehören Alumnis, auf die Harvard aufgrund ihrer Errungenschaften besonders stolz ist, sowie Jubiläums-Alumnis, wie hier die Class of 1962, die vor 50 Jahren graduiert hat. Der älteste Alumni, der da ist, ist übrigens 104 Jahre alt und gehört zur Class of 1929!!

Die Veranstaltung ist sehr gut besucht.

Selbst auf den Treppen sitzen Leute, die keinen Platz mehr bekommen haben.

Zu den Rednern gehört Drew G. Faust, die Präsidentin von Harvard. Sie ist die erste Frau in diesem Amt in der 375jährigen Geschichte.

Die Festrede wird von Fareed Zakaria gehalten, der Redakteur des Time Magazins ist und eine eigene Sendung auf CNN hat.

Seine Rede wird auf riesigen Leinwänden mit simultanem Text gezeigt, damit alle sie mitbekommen.

Freitag, 8. Juni 2012

Ioana besucht mich

Am 17. Mai kommt Ioana zu Besuch. Sie besucht eine Konferenz in Minneapolis und macht auf dem Weg dahin ein paar Tage in Boston halt. Wir kennen uns, weil wir beide zur gleichen Zeit unsere Physik-Diplomarbeiten am Helmholtz-Institut in Aachen gemacht haben. Sie ist dort geblieben und nun kollaborieren wir in weiteren Projekten, die im Wesentlichen die Fortsetzung unserer Diplomarbeiten darstellen.

Ioana bei der Ankunft am Logan International Airport

Am Freitag macht sich Ioana alleine auf, Boston zu erkunden, da ich arbeiten muss. Abends treffen wir uns dann und essen bei "Chef Chow", einem Chinesen gleich bei mir um die Ecke.

Ioana mit einer Scorpion Bowl, einem polynesischen Getränk
Am Samstag habe ich auch Zeit, daher fahren wir zunächst nach Cambridge auf der anderen Seite des Charles River, um den Harvard-Campus anzugucken. Auf dem eigentlichen Harvard-Campus befinden sich neben "Dorms", also Schlafstätten für die Studierenden, hauptsächlich die Gebäude der geistes- und sprachwissenschaftlichen Fakultäten. Die Mediziner müssen hier eigentlich nie hin, da die Harvard Medical School ja Teil des Longwood-Campus ist, wo ich auch arbeite. Dennoch wohnt der größte Teil der Bostoner Studenten in Cambridge, weshalb abends immer viel los ist. Es gibt in Boston übrigens über 30 Hochschulen, die Harvard University ist nur eine davon (wenn auch zusammen mit dem MIT sicherlich die bekannteste). Deswegen ist Boston in den USA auch als Bildungszentrum bekannt.  

Der Harvard Square ist das Epizentrum des Studentenlebens in Cambridge.

Der Spruch über dem Eingangstor zum Harvard-Campus

An diesem Wochenende laufen die Vorbereitung für die "Graduation Commencements" auf Hochtouren.

Die Widener Bibliothek wurde 1912 von der Familie Widener gestiftet zur Erinnerung an ihren Sohn. Dieser hatte zur Feier seines Abschlusses in Harvard eine Schiffsreise geschenkt bekommen. Beim dem Schiff handelte es sich um eine gewisse Titanic, der Sohn ertrank.

Ein paar Tage später werden hier die Abschlussfeierlichkeiten der "Class of 2012" stattfinden.

Hm... Polizist an der Harvard University sein könnte ich mir auch gut vorstellen.. Die großen Unis haben hier ihre eigene Polizei.

Nur ein kleiner Teil des Campus sieht "so wie immer" aus.

Im Anschluss machen wir die Boston Duck Tours, bei denen man in ehemaligen Militär-Fahrzeugen, die sich sowohl zu Wasser als auch zu Lande bewegen können, eine Stadtbesichtigung machen kann. Dies ist ein großer Spaß, da die meisten Fahrer wirklich sehr interessante und anekdotischen Geschichten über Boston zum Besten geben. Unser Fahrer ist Paul aus Revere, nicht zu verwechseln mit Paul Revere (nach dem allerdings der direkt nördlich an Boston angrenzende Ort Revere benannt ist, aus dem Paul kommt..)


Paul aus Revere

Es geht los am Museum of Science (and Natural History).

Die Tour führt an den meisten Bostoner Sehenswürdigkeiten vorbei. Dies ist die Park-Street-Church.

Auf dem Boston Common ist bei gutem Wetter immer viel los.

Dieses Haus war die Außenkulisse der Serie "Cheers".

Die Serie wurde von 1982 bis 1993 gedreht.

Unsere "Duck" gespiegelt im John Hancok Tower mit der Trinity Church im Hintergrund.

Die Boston Public Library ist die älteste Bibliothek der USA.

Trinity Church und John Hancock Tower ohne unser Gefährt ;-)

Es geht vorbei am Massachusetts State House, dem Sitz der Staatsregierung.

Dieses Haus war wohl in der Serie "Ally McBeal" häufiger zu sehen (ich habe die Serie nie gesehen).

Die Leonard P. Zakim Bunker Hill Memorial Bridge ist die breiteste Schrägseilbrücke der Welt und sowohl nach dem Bostoner Bürgerrechtlicher Leonard P. Zakim als auch nach dem Buker Hill Monument, dem sie nachempfunden ist, benannt.
Im TD Garden spielen die Boston Celtics (Basketball), die zur Zeit im Finale der Eastern Conference stehen und die Boston Bruins (Eishockey).

Es geht ins Wasser.

Unsere Ente unterwegs :-)

In dem Kanal, der für die Duck Tours die Zufahrt zum Charles River ist, kommt es zum Entenstau..

Die Rückseite des Museums of Science

Die Longfellow Bridge wird auch "Salt and Pepper" Bridge genannt, weil sie an Salz- und Pfefferstreuuer erinnert.

Auf der anderen Seite des Charles River liegt Cambridge. Athena zeigt an, dass hier die Bildung und Wissenschaft zuhause ist.

Ich lerne übrigens zur Zeit auch Segeln in einem dieser Boote vor einer Wahnsinns-Kulisse!!!

Der Charles River wird kurz vor seiner Mündung in den Atlantik gestaut, so dass er hier sehr breit ist. Somit liegt Boston sowohl am Meer als auch am See als auch am Fluss ;-)

Paul aus Revere zeigt und erklärt unterwegs viel.

In meinem Segelverein kann man auch Kajaks ausleihen und damit den Charles River erkunden.

Unsere Ente vor der Skyline Bostons. Wie man sieht, ist Boston diesbezüglich keine typische amerikanische Stadt
Segeln macht echt Spaß!
.

Aber die Duck Tours auch ;-)

Nach ca. 1,5 Stunden sind wir zurück am Museum of Science

Am Abend sind wir bei Tobias verabredet, um gemeinsam zu kochen. Es wird ein netter und gemütlicher Abend.

Gerti beim Schnippeln.

Vorfreude auf das Essen.

Es wird gewerkelt..

Die Atmosphäre kommt auch nicht zu kurz..

Da das Wetter so fantastisch ist, fahren wir am Sonntag an die Atlantikküste. Das tolle daran ist, dass man diese von Boston aus in kürzester Zeit mit der U-Bahn erreichen kann. Der Revere Beach ist wirklich schön und es gibt einen richtig langen Sandstrand und eine Strandpromenade. Das Wasser ist zwar kühl, aber man kann auf jeden Fall reingehen.



Mein "Hausstrand"

Der Sandstrand erstreckt sich hier über Kilometer.

In den Geschäften entlang der Strandpromenade ist man darauf bedacht, nur "anständige" Gäste zu haben.

Die Amerikaner sind wirklich stolz auf ihr Land.

Revere Beach mit Strand und...

...Strandpromenade.

Anjali im Atlantischen Ozean

Mein neues Auto?!?  Das wäre zu schön...

Zurück in Boston muss natürlich auch Ioana ihren ersten Lobster essen.

Danach gehen wir noch am Hafen spazieren.

Am Hafen

Am nächsten Tag (Montag) zeige ich Ioana noch die Longwood Medical Area, bevor ich ins Lab gehe und Ioana zum Flughafen fährt, da sie nach Minneapolis fliegt.



Abschied vor dem Children´s Hospital.